Interview mit Matthew Whittall zur Übernahme der IG durch Allianz X

Interview mit Matthew Whittall zur Übernahme der IG durch Allianz X

Interview mit Matthew Whittall zur Übernahme der IG durch Allianz X

Es war keine große Überraschung mehr, als am 10. Oktober die Meldung die Runde machte, dass die Allianz über den Investment-Fond Allianz X weiter auf Expansionskurs im Schadenmarkt bleibt und den Schadensteuerer Innovation Group übernimmt.

Wir hatten wenige Tage später bereits Gelegenheit, mit Matthew Whittall, dem Geschäftsführer der Innovation Group Germany GmbH, über diese Entwicklung zu sprechen und ihm die für unsere Verbandsmitglieder wichtigen Fragen zu stellen.

NewsMonitor:
Was bedeutet die Übernahme der IG durch Allianz X für Sie und Ihr Team, Kontinuität oder Wechsel?

Matthew Whittall:
Kontinuität, denn mein Team und ich hier in Deutschland, aber auch die Mannschaft in UK, bleiben an Bord. Für mich persönlich bedeutet die Übernahme, dass ein finanzkräftiger Investor, der an unser Produkt und unsere Strategie glaubt, die Potentiale in der Schadensteuerung sieht und hier langfristig plant und investiert. Es handelt sich schließlich ja nicht um einen reinen Finanzinvestor, sondern Allianz X bewegt sich in der Versicherungswelt, kennt den deutschen Markt und hat Interesse daran, das Schadenmanagement weiterzuentwickeln. Ich freue mich auf diese gemeinsame Herausforderung.

NewsMonitor:
Schauen wir auf die Partnerwerkstätten, für die gerade heute Planungssicherheit absolut wichtig ist.  Was erwartet die Werkstätten in Sachen Ansprechpartner, Konditionen, Prozesse und Tools sowie Auslastung und Volumina?

Matthew Whittall:
Bis die Übernahme kartellrechtlich abgeschlossen ist, ändert sich nichts. Aber auch danach mit neuem Shareholder bestehen die Verträge der Innovation Group Deutschland GmbH mit den Werkstätten unverändert weiter. Natürlich machen sich unsere Reparaturpartner Gedanken und in der Branche wird viel spekuliert. Ich rechne mit keinen Änderungen bis Ende 2023. Die Ansprechpartner im Tagesgeschäft bleiben, es ändert sich nichts an den Konditionen und den Prozessen und die Werkstätten müssen sich keine Gedanken um die Auslastung machen. Das bestätigen auch meine Gespräche mit unseren Großkunden. Und wie der Markt ja weiß, haben wir mit der Generali ab nächstem Jahr einen neuen bedeutenden Kunden. Ich rechne sogar damit, dass wir in den nächsten Jahren einen deutlichen Auftragsanstieg verzeichnen werden können. Ob dann auch die Allianz zu unseren Kunden gehören wird, weiß ich nicht, denn das muss eine Allianz entscheiden. Es ist aber nichts Neues im deutschen Markt, dass ein Werkstattnetz als Dienstleister für viele Versicherer fungiert.

Wir hoffen, dass uns unser finanzkräftiger Investor beim digitalen Wandel, in den wir schon viel Geld und Energie gesteckt haben, unterstützt und wir in absehbarer Zeit mit allen Partnern ausschließlich über Gateway, also in einer Systemwelt zusammenarbeiten werden. Das hat auch viele Vorteile für die Werkstätten und spart Energie auf allen Seiten. Ich gehe auch davon aus, dass sich die Entscheidungsgeschwindigkeit bei uns, wenn wir demnächst nicht mehr 14, sondern nur noch einen Shareholder haben, deutlich zunehmen wird. 

NewsMonitor:
Stichwort Gateway, welche Rolle spielt die Plattform in Zukunft?

Matthew Whittall:
Wir werden unsere Technologie über das Innovation Group-Werkstattnetz hinaus öffnen, das gehört zu unserer Strategie. Wir arbeiten kontinuierlich an Gateway, damit die Plattform intuitiver wird und allen Playern erlaubt, die eigenen Prozesse effektiver zu gestalten. Angesichts des Fachkräftemangels sehen wir dabei ein großes Potenzial in der Automatisierung von Prozessen. In der Konsequenz heißt das für uns als Innovation Group, dass wir nicht Personal einsparen werden, sondern, dass das bestehende Team seinen Job dank Prozessoptimierung entlastet wird. Ähnliches gilt auch für die Werkstätten und deshalb bleiben wir mit Gateway auf diesem Kurs. Wir setzen die Technology ein, damit die Prozesse, die immer komplexer werden, für Kunden und Partnerwerkstätten einfacher zu erledigen sind.

NewsMonitor:
Rechnen Sie damit, dass die IG als „Unternehmen der Allianz“ in deutlichem Umfang Versicherungskunden an andere Steuerer verlieren wird?

Matthew Whittall:
Es schauen sicherlich alle Kunden kritisch auf unsere Leistungen und wir haben auch Kunden, die einen Mehr-Dienstleisterweg gehen. Ich bin aber im Dialog mit allen Auftraggebern und habe keineswegs den Eindruck, dass wir durch die Übernahme Kunden verlieren werden.

NewsMonitor:
Sehen Sie mittelfristig einen Wettbewerb der Versicherer um leistungsfähige Werkstätten, um via Schadensteuerung die Kosten im Rahmen zu halten?

Matthew Whittall:
Die Versicherer wissen, dass in den nächsten Jahren mit einer Kosteninflation bei der Schadenreparatur zu rechnen ist. Teile werden teurer, die Löhne steigen usw. Deshalb sehen Viele in der Schadensteuerung eine Möglichkeit, teilweise Kosten zu reduzieren.

Die Schäden müssen repariert werden, die Kapazitäten im Reparaturmarkt sind allerdings während Corona zurückgegangen, also gehen die Preise nach oben. Als Versicherer muss ich sehen, dass ich als Großauftraggeber die Betriebe brauche, die meine Schäden reparieren wollen. Die Betriebe wollen dies aber nur, wenn es finanziell und prozesstechnisch sinnvoll ist. Wir achten deshalb auf faire Preise und darauf, dass weniger Geld in unnötigen Prozessen verbrannt wird. Damit machen wir uns als Partner für die Werkstätten attraktiv.

NewsMonitor:
Was raten Sie Werkstätten in der aktuellen Situation, welchen Handlungsbedarf und welche Möglichkeiten sehen Sie gerade für die Betriebe in der Schadensteuerung?

Matthew Whittall:
Mein erster Rat an unsere Partner lautet: Don’t panic, so schnell ändert sich nichts an unserer erfolgreichen Zusammenarbeit und an den Prozessen, die wir in den vergangenen Jahren erarbeitet haben.

Generell halte ich es für sehr wichtig, dass jeder Betrieb sein Kundenportfolio regelmäßig checkt und prüft, welche Kooperationen Sinn machen und natürlich entsprechende Konsequenzen zieht.

Ich sehe auch die Werkstätten auf der Gewinnerseite, die jetzt in ihre Mitarbeiter und deren Qualifikation investieren. Wir haben nämlich verschiedene Druckpunkte im Markt: zum einen eine Kostensteigerung und unerträglich lange Wartezeiten bei den Neuteilen, zum anderen wird der Ruf nach nachhaltiger Reparatur, also I vor E, immer lauter. Das wird zu einer Renaissance des Karosseriebauhandwerks führen und wir erleben da einen Wandel, der dem mutigen Karosseriefachbetrieb große Chancen bietet. Die Handwerkskunst der Karosserieinstandsetzung gewinnt in dieser Entwicklung sehr an Bedeutung, das bezieht sich auch auf das Thema Kunststoffreparatur.

NewsMonitor:
Nimmt die IG beim Thema nachhaltige Reparatur die Prüfdienstleister mit ins Boot, wenn es darum geht den Paradigmenwechsel von E zu I einzuläuten?

Matthew Whittall:
Absolut, mir ist immer bewusst, dass da alle mitspielen müssen. Wir kommen nicht weiter, wenn eine Werkstatt alles gibt und anschließend bei der Rechnungsprüfung die Instandsetzungszeiten gekürzt werden. Diesen Paradigmenwechsel muss unsere Branche mit geeinten Kräften stemmen, denn er bietet für alle im Schadenmanagement große Chancen.

NewsMonitor:
Herr Whittall, vielen Dank für das Gespräch.

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