Interview mit Matthew Whittall 

Interview mit Matthew Whittall 

Interview mit Matthew Whittall 

NewsMonitor: 
Herr Whittall, die Entstehung des BVdP ist ja sehr stark auch mit der IG verbunden, wie war das 2010? 

Matthew Whittall:
Unser Handeln als IG hat wohl die Gründung des BVdP indirekt ausgelöst. Damals hat sich eine Gruppe von Betrieben aus der ARGE IG zusammengetan, die der Meinung waren, dass wir als Innovation Group zu viel Druck auf den Markt ausgeübt haben. Ich habe seinerzeit in den Gesprächen mit den Playern im Schadenmanagement, also Werkstätten, Verbänden, aber auch bei unseren Kunden in der Versicherungswirtschaft, bemerkt, dass der Geräuschpegel im Markt allen einfach zu hoch war, das Geschäft hat keinen Spaß mehr gemacht. Vor allem in einem Gespräch mit Friedrich Nagel stellte sich ziemlich schnell heraus, dass wir mit unseren grundsätzlichen Vorstellungen gar nicht so weit auseinander waren, den Weg aber, wie wir diese Vorstellungen in praktisches Handeln umsetzen können, noch definieren müssten. 

NewsMonitor: 
Wie war das dann mit dem kooperativen Schadenmanagement?  

Matthew Whittall: 
Parallel dazu entwickelten sich die Aktivitäten der ARGE-Betriebe, ich erinnere mich da noch gut an die ersten Treffen mit der ARGE IG und da an die Gespräche mit Christian Hoog. Ergebnis der Geschichte war für mich, dass wir aufgehört haben Politik zu machen und angefangen haben, über Business zu sprechen. Aus der ARGE IG entstand dann der BVdP mit der klaren Botschaft, dass man nicht gegen Schadensteuerung sei, aber das Schadenmanagement mitgestalten wolle. Dem konnten wir uns anschließen und haben dann auch schnell zwei wichtige Geschäftsentscheidungen getroffen. Das war zum einen, dass unsere Direktkundenregelung nicht provisionspflichtig war und zum anderen, dass die Betriebe selbst entscheiden konnten, ob sie das Factoring durch uns in Anspruch nehmen wollten. Wir sind dann in intensive Kommunikation mit dem BVdP eingetreten und hatten mit Robert Paintinger und seinen Mitstreitern Gesprächspartner für einen kritischen, aber konstruktiven Dialog, in dem sich immer wieder auch gemeinsame Interessen abzeichneten. Das war praktisch die Geburtsstunde des kooperativen Schadenmanagement. 

NewsMonitor: 
Was hat der BVdP aus Ihrer Warte in den vergangenen 10 Jahren bewirkt, z. B. bei und für Ihre Partnerwerkstätten? 

Matthew Whittall:
Ein wichtiger Effekt war sicherlich, dass die Distanz zwischen den Schadensteuerern und den Werkstätten, die für Schadenmanagement stehen, spürbar kleiner geworden ist, das gegenseitige Verständnis im Gegenzug aber gewachsen ist. Damit ist auch der Umgang miteinander vernünftiger geworden, auch wenn die Businessinteressen unterschiedlich sind, weil beide Seiten in ihrem Geschäft natürlich einen möglichst hohen Ertrag erwirtschaften wollen. Ich denke aber, dass der BVdP als Lobbyverband uns Steuerern auch ganz gut vermittelt hat, dass die Voraussetzung für eine leistungsfähige Reparaturbranche, die wir ja alle wollen, der Erhalt der Investitionsfähigkeit der Werkstätten ist. Die Betriebe haben allein schon vom Engagement des BVdP in Sachen Prozessverbesserungen, insbesondere im digitalen Bereich, enorm profitiert. Der BVdP ist ein wichtiger Faktor für die Balance im Schadenmanagement. 

NewsMonitor: 
Haben Sie konkrete Beispiele? 

Matthew Whittall:
Ich kann Ihnen ein gutes Beispiel nennen: Als wir unser erstes Portal SOOM (Simple Online Order System) entwickelten, gab es durchaus recht holprige Prozesse. Da hat sich der BVdP sehr konstruktiv im Sinne seiner Mitglieder eingebracht und den so genannten roten Knopf initiiert, mit dem die Betriebe uns Störfälle melden konnten. Das hat beide Seiten ziemlich vorangebracht. Wir haben dabei auch gelernt, dass die Kooperation mit dem BVdP sehr lösungsorientiert ist und auch für uns, auch wenn das nicht immer bequem ist, Vorteile hat. Und wir haben gelernt, den Prozess Schadenmanagement ganzheitlich zu sehen, früher hat unser Horizont doch eher an der Stelle aufgehört, an der ein Auftrag unser Haus verlassen hat. 

NewsMonitor: 
Thema Signalisationsstreit, wie beurteilen Sie die Rolle des BVdP und die Leistungsmarke m.o.r.e? 

Matthew Whittall:
Der Signalisationsstreit war natürlich für viele Versicherer, egal, ob Sie jetzt IG-Kunden waren oder nicht, und ganz klar auch für die Werkstätten ein ganz wichtiges Thema. Zur Lösung des Problems hat der BVdP einen sehr effektiven Beitrag geleistet, Hut ab. Die Idee und die Marke m.o.r.e begrüße ich, sie kommt von den Betrieben und nicht von einem Steuerer, ist an der Stelle also neutral. Und m.o.r.e ist ja auch ein wichtiges Werkzeug, das die Betriebe bei der Professionalisierung und Imageverbesserung unterstützt. Wir merken schon, dass das Konzept passt und dass bei den Betrieben, die m.o.r.e ernst nehmen und richtig leben, deutliche Qualitätssteigerungen sichtbar werden. 

NewsMonitor: 
Geben Sie uns einen Ausblick, was kommt auf Werkstätten und Verband als zukünftige Herausforderungen zu? 

Matthew Whittall:
Ganz wichtig: Digitalisierung nicht als Problem, sondern als Herausforderung und Chance begreifen. Ich glaube, dass sich unheimlich viele Bereiche in der Kommunikation mit den Kunden auf das Smartphone verlagern werden, von der Schadenmeldung bis hin zum Bezahlen der Rechnung. Die Reparaturbranche muss auch verstehen, dass die digitale Transparenz gegenüber den Endkunden ein wichtiges Erfolgskriterium wird. Die digitale Transformation hat überall dort erfolgreich funktioniert, wo man Verfügbarkeit online abrufen kann, denken Sie nur an die Hotelbuchung. Für die Werkstätten heißt das nicht, dass man uns feste Reparaturslots anbieten soll, dafür sind Unfallschäden zu unterschiedlich, sondern die Verfügbarkeit bzw. Kapazität der nächsten Tage. Dann können wir und unsere Kunden gezielte Aufträge steuern, was für alle Beteiligten im Ergebnis weniger Stress und weniger Storni bedeutet. Fahrzeuge werden digital komplexer, neue Antriebsformen werden auch die Werkstätten verändern. Weitere Herausforderungen sind die Entwicklung der Themen Designschutz und Teilebeschaffung. Wir beobachten auch sehr genau die Entwicklung der Schadenstückzahlen, wobei wir davon ausgehen, dass die Zahl der gesteuerten Schäden steigen wird. Und all diese Punkte sind natürlich auch Herausforderungen für den BVdP als Wirtschafts- bzw. Lobbyverband. Da gibt es für den Verband genug zu tun und wir verlassen uns natürlich auch ein wenig darauf, dass der BVdP immer wieder den Finger in die Wunde legt. 

NewsMonitor: 
Vielen Dank für das Gespräch.

Wenn Sie diese Seite weiter verwenden, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Infos

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Schließen