Interview mit ZKF-Präsident Peter Börner

Interview mit ZKF-Präsident Peter Börner

Interview mit ZKF-Präsident Peter Börner

Als ZKF-Präsident und Brancheninsider ist er einer der Macher in der Schadenwelt und kennt das Geschäft seit langen Jahren aus dem FF.
Im NewsMonitor Interview gibt uns Peter Börner seine persönliche Einschätzung zu 10 Jahren BVdP und zu den aktuellen, brennenden Herausforderungen für die Reparaturbranche:

Vergangenes Jahr wurde der BVdP 10 Jahre alt. Wie stellte sich das Problemfeld, aus dem heraus ARGE IG und schließlich BVdP entstanden, für den ZKF dar?

Peter Börner: An diesen Jahreswechsel, 2009 auf 2010 kann ich mich gut erinnern. Fritz Nagel war der amtierende ZKF Präsident und ich als designierter Spitzenkandidat in meinem „Lehrjahr“ zusammen mit ihm unterwegs und an allen Themen der Branche dran. Die Sache spitzte sich sehr schnell wegen der Einführung von Factoring und einer Direktkundenregelung eines großen Schadenlenkers im Januar zu und ich lernte eine bislang einmalige Solidarisierung der Werkstätten kennen, die dann mit ihrer Position und Standhaftigkeit schnell vieles Gutes bewirkt haben.

Die Betriebe haben in ihrer Gemeinschaft zu diesem Zeitpunkt sehr deutlich gemacht: bis hier und nicht weiter. An ein paar weiteren Stellen in den letzten zehn Jahren habe ich einen vergleichbaren Solidarisierungseffekt in der Schadenwelt vermisst, um sich beispielsweise gegen Fehlentwicklungen bei Lackmaterial, Ersatzteilkonzepten, Kalenderzugriffen, Cloud-Datenspeicherung, sinkenden Teilemargen und weiteres mehr erfolgreich zur Wehr zu setzen und die Themen aktiv mitzugestalten. Da ist dem ersten Aufschrei oft keine entsprechende Aktion gefolgt, was mich sehr nachdenklich stimmt.

Aber noch einmal zurück zur Gründungsphase des BVdP: Der ZKF hat im Januar 2010 dann mit voller Unterstützung der ARGE IG die Satzung für die Gründung eines Verbands geschrieben und stand darüber hinaus mit Rat und Tat den seinerzeit handelnden Personen zur Gründung zur Seite.

Wie bewerten Sie die Arbeit des BVdP seit 2010, was halten Sie vom kooperativen Schadenmanagement?

Peter Börner: Die Arbeit des BVdP ist als sehr wichtig, gelungen und unverzichtbar anzuerkennen. Insoweit sind wir als Berufsverband froh und stolz, eine Vereinigung der Schadenlenkungsbetriebe in unserer Branche zu haben, die sich mit den Belangen dieser Betriebe in Bezug auf den Großkunden und die Schadenmanagementbranche auseinandersetzt.

Das kooperative Schadenmanagement ist aus unserer Sicht als Balanceakt kritisch zu betrachten. Es müssen ganz klar die Interessen der Werkstätten im Vordergrund stehen. Diese Trennlinie zwischen den mächtigen Versicherern, die die Rechnung zahlen, und den Werkstätten, die diese schreiben, muss klar gezogen sein. Es ist der Bundesverband der Werkstätten und nicht der Schadenlenker. Auf der anderen Seite erreicht der BVdP mit bloßer Konfrontationshaltung sicherlich kaum etwas, sodass der kooperative Umgang möglicherweise die einzige Option ist.

Ihre Meinung zur aktuellen Rolle des BVdP?

Peter Börner: Es gibt einige Punkte und Maßnahmen aus der Vergangenheit des BVdP, die mir persönlich und auch einigen meiner ZKF Vorstandskollegen nicht recht waren. Sicherlich kann man der Sache wegen unterschiedlicher Meinung sein, man muss dann aber darüber reden können und dürfen.

Eine weitere Marke als Werkstattkonzept im Markt zu etablieren, hat nicht bei jedem Begeisterung ausgelöst und wäre aus unserer Sicht auch nicht erforderlich gewesen, um die ursprüngliche Aufgabe des BVdP zu erfüllen. Ebenso dürfen getroffene Aussagen nicht dazu führen, dass sich die Auffassung durchsetzt „der große Kunde zahlt weniger als der kleine“, denn das sorgt langfristig höchstens für nachteilige Monopole. Genau so wenig Sinn macht eine Gleichtaktung aller Betriebe nach Wunschvorstellung der Schadenlenker, denn das kann zu einer Auswechsel- und Ausschaltbarkeit der Werkstätten führen. Da müssen wir sehr aufpassen, denn das stünde ganz im Gegenteil zu dem, was das individuell geprägte, mittelständige Handwerk in unserer Wirtschaft ausmachen sollte.

Es ist darüber hinaus leicht zu sagen, „das hätten wir anders und besser gemacht“, was ich ja ausdrücklich vermeiden möchte. Ich denke auch hier geteilt: zusammen hätten wir vielleicht mehr aber dafür wesentlich später und langsamer erreicht. Somit gilt es jetzt nach vorne zu schauen. In den letzten Monaten habe ich einen anderen BVdP kennengelernt, der uns in der Corona-Krise des Frühjahrs 2020 sehr eng zusammenrücken ließ. Wir haben uns gemeinsam auf kleinem Dienstweg abgestimmt und dabei viel erreicht und getan. In Summe freue ich mich auf einen nach der BVdP-Mitgliederversammlung gestärkten und vielleicht ganz oder teilweise neuen BVdP, mit dem man zusammen „Pferde stehlen kann“.

Geben Sie uns einen Ausblick, wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Werkstätten und Verbände in den nächsten Jahren?

Peter Börner: Kurz zusammengefasst sehe ich vier Herausforderungen:

1. Fachkräfte mit Kompetenzen in der modernen Karosseriereparatur und der Beherrschung der elektronischen Komponenten.

2. Wandel in der Gesellschaft, weg vom Eigentum am Fahrzeug hin zur Mobilität und damit einhergehender Tatsache, dass es einen neuen Halter des Fahrzeuges gibt, der seine Versicherung aussucht oder sogar selbst ist.

3. Umschichtung der Kundenstrukturen in den Betrieben, weg von zwei Großkunden, hin zu 10 Mittelgroßkunden.

4. Kostendeckende Erträge im Bereich der erzielbaren Stundensätze (Anpassung an die Kostensteigerung Personal und Energie), Teilemargen (UPE Aufschläge zur Kostendeckung) und Sicherstellung der Reparaturvolumen bei zunehmender Technologisierung der Assistenzsysteme und weniger Unfällen.  

Herr Börner, wir danken für das Gespräch.

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