Marktentwicklung: Akzente in der Kraftfahrtversicherung

Marktentwicklung: Akzente in der Kraftfahrtversicherung

Marktentwicklung: Akzente in der Kraftfahrtversicherung

In einem bemerkenswerten Artikel „Crashkurs in die Gewinnzone: Wie Kfz-Versicherer ihr Geschäft umstellen“ schildert Uwe Schmidt-Kasparek im Magazin Versicherungswirtschaft am 21.08. (https://versicherungswirtschaft-heute.de/schlaglicht/2020-08-21/crashkurs-in-die-gewinnzone-wie-kfz-versicherer-ihr-geschaeft-umstellen/) das Dilemma der Kraftfahrt-Sparte, das auch für die Reparaturbetriebe nicht ohne Folgen bleiben dürfte.

Durch ein schadenarmes Jahr gehören Autoversicherer zu den Gewinnern der Corona-Krise. Während des Lock Downs gab es spürbare Rückgänge bei den Kraftfahrtschäden, die sich aufgrund des Kundenmix von Versicherer zu Versicherer unterscheiden. Auch in der zeitlichen Folge des Lock Downs hat sich das Verkehrsaufkommen qualitativ verändert. So ruhen teilweise noch Gewerbeflotten, während Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel auf den PKW umsteigen oder auch aus Gründen einer privaten Schieflage PKW‘s stillgelegt wurden.

Zwar ist die Anzahl der Schäden gesunken, dies aber bei steigenden Kosten pro Schaden. Dies ist den umstrittenen Desinfektionskosten geschuldet aber auch den Logistikengpässen bei Ersatzteilen, die zu Mehraufwand bei Ersatzfahrzeugen und beim Transport führen. Mittelfristig rechnen die Versicherer zudem recht einhellig mit steigenden Ersatzteilpreisen, mit denen die Automobilhersteller ihre Defizite teilweise kompensieren wollen. Bei einer insgesamt leicht sinkenden Schadenhäufigkeit gibt es weiterhin eine ungebremste Kostenentwicklung.

Aus Versicherungsperspektive ist der eher rückläufige Kfz-Markt tief gespalten. Die Kraftfahrt-Sparte präsentiert sich als gesättigter (nicht wachsender) oder vitaler (wachsender) Verlustbringer in der Regel mit einer Combined Ratio von über 100%, d.h. die Prämieneinnahmen decken die Aufwendungen für Regulierung und Prozesse nicht. Nur eine kleine Gruppe Versicherer wächst mit einer günstigen Kostenstruktur.

Der Spielraum für Prämiensenkungen in der für die Versicherer existentiellen Sparte für das Mengengeschäft ist also eng und zwingt die Versicherer zu Kostenoptimierungen. Vor allem eine radikale Digitalisierung ihrer Prozesse soll zu einer optimierten Kostenquote beitragen. Soweit der Tenor des oben erwähnten Beitrages.

Weitere Kostenoptimierungen zu Lasten der Schadensteuerungsbetriebe sind denkbar. Ein stärkeres Drücken in Richtung fiktive Abrechnung oder in Richtung Abrechnung Wiederbeschaffungswert minus Restwert könnte für die Reparaturbetriebe das Volumen spürbar verringern. Andere Begehrlichkeiten könnten mit Blick auf die Konditionen und die Stundenverrechnungssätze geweckt werden und so den Betrieben die Rentabilität und Investitionsfähigkeit nehmen.

Freilich: Ein Versicherer mit Weitblick wird die Finger von beidem lassen, um seine Erträge aus langfristig zufriedenen Kundenbeziehungen nicht zu gefährden und um nicht das Potential am Markt zu gefährden, das ihm mit dem geringsten Kostenaufwand die Schäden fachgerecht repariert.

Eine für alle Beteiligten schlaue, da nutzbringende Strategie wäre in der oben beschriebenen Situation alles daran zu setzen, das Volumen an gesteuerten Schäden zu erhöhen. Das bringt dem Versicherer Kundenzufriedenheit und Kostenvorteile gleichzeitig. Behält er dabei angemessene Konditionen für die Partnerbetriebe im Auge, leistet er sogar zusätzlich einen Beitrag dazu, dass auch in wenigen Jahren die gleichen Vorteile noch realisiert werden können. Denn kein Marktbeteiligter kann mittelfristig etwas davon haben, wenn zunehmend Betriebe die dann aktuellen Fahrzeuge nicht mehr reparieren können, auf der Strecke bleiben. Das wird die verbleibenden Betriebe so begehrt machen, dass diese dann die Preise diktieren können.

Gerade die Kraftfahrt-Sparte im Versicherungsgeschäft steht vor beeindruckenden Herausforderungen, sowohl im Bereich digitaler Prozesse als auch im Bereich der kostenoptimierten Schadenregulierung sowie dem Erhalt und Ausbau von Marktanteilen. Darunter befinden sich (siehe oben) viele Aspekte, die auch der BVdP und seine Mitgliedsbetriebe im Rahmen ihrer strategischen Überlegungen im Auge behalten sollten.

Wenn Sie diese Seite weiter verwenden, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Infos

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Schließen