Nachhaltigkeit als Fundament des kooperativen Schadenmanagements

Nachhaltigkeit als Fundament des kooperativen Schadenmanagements

Nachhaltigkeit als Fundament des kooperativen Schadenmanagements

Gerade vor dem Hintergrund von steigenden Ersatzteilpreisen, von unterbrochenen Lieferketten, von langen, kostenintensiven Standzeiten und nicht zuletzt angesichts der Forderung nach dem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen sollte das Thema fachgerechtes Instandsetzen vor Erneuern als für alle Seiten ökonomisch und ökologisch sinnvoller Reparaturweg heute in aller Munde sein. Denn wenn das richtig verstanden und auch richtig umgesetzt wird, profitieren dabei alle Beteiligten an der Schadenmanagement-Reise, vom Endkunden über den Versicherer bis hin zur Werkstatt. Und für Letztere wäre dieser Reparaturweg auch an und für sich kein Problem, denn schließlich ist das das Handwerk des Karosseriebauers. Wo liegt also das Problem, dass sich konsequente Nachhaltigkeit bei der Reparatur von Fahrzeugen noch nicht vollumfänglich durchgesetzt hat?

Nachhaltigkeit beginnt mit Fairness
Das fachgerechte Instandsetzen ist zeitintensiv und schon lange nicht mehr nur das reine Bearbeiten des Blechs mit dem Hammer. Es ist der Reparaturweg, der Ressourcen, Umwelt und in der Regel das Portemonnaie schont. Die Zeiten, die für das Wiederherstellen des Bauteils erforderlich sind, muss der Reparaturfachbetrieb am Ende verrechnen können. Aber auch nur die! Das aber lässt sich nicht aus der Entfernung am Bildschirm und schon gar nicht mit rudimentärer Fachkenntnis beurteilen.

Und bereits hier beginnen die Probleme, denn wenn auf der einen Seite Zeiten gekürzt werden, auf der anderen aber das Erneuern eines Teils meist ohne „Prozessstörung“ freigeben wird, hat das natürlich Einfluss auf die Wahl des Reparaturwegs. Die Diskussion um bzw. die Kürzungen von AWs schaden der Bereitschaft, den ökonomisch und ökologisch sinnvollen Reparaturweg einzuschlagen. Auch das „bequeme“ Argument „bevor ich 4 Stunden auf einer Tür rumkloppe, mach ich Sie lieber neu“ darf weder bei der Werkstatt noch auf Seiten des Prüfdienstleisters zählen. Was aber bedeutet die kalkulierte Zeit für die Instandsetzung eines Bauteils?
Gehören die 4 Stunden geplante Instandsetzungszeit dann tatsächlich dem Karosseriebauer, um das Blech zu bearbeiten? Oder benötigt nicht auch der Lackierer einen spürbaren Teil dieser Arbeitszeit, um Konturen, Sicken, Rundungen und vieles mehr so wiederherzustellen, dass sie nach der Reparatur so wahrgenommen werden wie vor dem Unfall? Mit 17 AW Lackiervorbereitung aus den Kalkulationsdaten wird das selbst der beste Lackierer nicht schaffen.

Nachhaltigkeit rechnet sich für Alle
Wenn Prüfdienstleister die Zeiten für eine fachgerechte Instandsetzung allerdings nicht vollumfänglich und korrekt betrachten, sondern lieber gleich den Rotstift bei allem, was über das Lackieren hinausgeht, sowie bei den Kleinteilen ansetzen, dann scheint das Interesse an einer nachhaltigen Reparatur nicht sonderlich groß. Man möchte fast meinen, dass vordergründige Einsparungen und Bequemlichkeit seitens der Prüfdienstleister lieber die Bereitschaft zum Erneuern fördern, während der ökonomisch und ökologisch wesentlich sinnvollere Reparaturweg verhindert wird.

Und Nachhaltigkeit rechnet sich – und zwar für alle. Denn bei genauerem Hinschauen wird man feststellen, dass die fachgerechte Instandsetzung in der Mehrzahl der Fälle die unterm Strich kostengünstigere Lösung darstellt. Und sollte diese Rechnung mal auf dem Papier nicht ganz aufgehen, dann ist der gesamtgesellschaftliche Nutzen und der Imagegewinn für den Versicherer immer noch ein „unbezahlbares“ Argument. Stichwort „grüne Reparatur“. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Instandsetzung für das Fahrzeug häufig den besten Reparaturweg darstellt, da die Struktur, Spaltmaße, Verschraubungen, Dichtnähte im Originalzustand erhalten bleiben, was vermutlich auch im Sinne des Verbraucherwillens ist.

Rolle der Prüfdienstleister überdenken
All das macht aber nicht unbedingt die Prüfdienstleister im kooperativen Schadenmanagement überflüssig, sondern bei etwas Rückbesinnung auf den Namensbestandteil, der vom Prüfen spricht, könnten diese eine hervorragende Instanz der Qualitätskontrolle darstellen. Denn Fehler passieren immer und überall, die bei der nachträglichen Prüfung konstruktiv eliminiert werden können. Und nicht zuletzt könnten Prüfdienstleister ja auch beim Check des KV darauf hinweisen, dass nicht der nachhaltige Reparaturweg gewählt wurde, der meist auch weniger Kosten für alle verursacht.

Das stellt natürlich auch für die Prüfdienstleister eine anspruchsvolle Herausforderung dar, die es anzunehmen und zu akzeptieren gilt. Dazu gehört, und das gilt für alle an der Schadenabwicklung Beteiligten, zu lernen, was nachhaltige Reparatur bedeutet, wie sie in einem modernen Unfallschadenbetrieb gelebt wird und was das am Ende für die Kalkulation bedeutet. Um die nachhaltige Reparatur wirklich zu verstehen, reicht es aber nicht, sich einen Tag bei der Werkzeugindustrie umzusehen und mit bruchstückhaften Seminaren halb zu Ende gebrachte Reparaturen als Maßstab zu nehmen. Nachhaltige Reparatur, die diese Bezeichnung verdient, muss vollumfänglich neu gedacht werden.

Nachhaltigkeit bietet große Imagechance
Gerade wenn unsere Branche das Thema nachhaltige Reparatur leben kann, ergeben sich daraus in vielerlei Hinsicht große Chancen für die Fachbetriebe, die sich darüber hinaus positiv auf Steuerer und Versicherer spiegeln werden. Die nachhaltige Reparatur unterstützt uns dabei, das Image eines ressourcenvernichtenden, umweltschädlichen und dreckigen Gewerbes loszuwerden und zu zeigen, was wir wirklich sind: handwerkliche Profis mit hervorragender technischer Qualifikation, denen gesellschaftlich relevante Themen nicht egal sind. Da braucht es ein wenig „Zurück in die Zukunft“, sprich wir dürfen nicht als bloße Teiletauscher, sondern als Handwerker mit Hightech-Knowhow wahrgenommen werden. Das passt nahtlos zum Thema Nachhaltigkeit und dieser Imagewechsel kann dann auch ein Baustein weg vom Fachkräftemangel sein.

Wir vom BVdP sehen hier die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsel hin zu eindeutig mehr Nachhaltigkeit durch fachgerechte Instandsetzung. Das aber geht nicht ohne Werkstätten, Steuerer und Versicherer. Wir treten hier gerne in den Dialog mit allen Playern im Schadenmanagement ein, um neue Konzepte für tatsächlich nachhaltige Lösungswege zu diskutieren.

Unseren Verbandsmitgliedern, die von Kürzungen durch Prüfdienstleiter wie oben beschrieben betroffen sind, raten wir, sich direkt an die entsprechenden Versicherer zu wenden und das Thema auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit dort anzusprechen.

Wir alle können dazu beitragen, Rücksicht auf die kommenden Generationen, unsere Umwelt & Ressourcen zu nehmen und wenn dabei noch das Portemonnaie geschont wird, schließt sich der Kreis.

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