Peter Vogel im Interview

Peter Vogel im Interview

Peter Vogel im Interview

Die Automechanika und insbesondere der dort fest etablierte Schadentalk gelten als Treffpunkt und zugleich als Stimmungsbarometer der Schadenbranche. Moderiert von Konrad Wenz (Fahrzeug und Karosserie) und Christian Simmert (schaden.news) setzte sich der diesjährige Schadentalk am 15. September in verschiedenen, prominent besetzten Gesprächsrunden mit dem brisanten Thema „Schadenmarkt in der Krise – wer gewinnt und wer verliert“ auseinander. Aus Reihen des BVdP nahm der Vorstand Peter Vogel an der Diskussion teil und analysierte gewohnt präzise die Situation der Betriebe in der Schadensteuerung. Im Interview mit Peter fassen wir noch einmal die wesentlichen Aussagen und Einschätzungen zur Situation unserer Branche aus dem Schadentalk zusammen.

NewsMonitor:
Peter, seit einiger Zeit benennt der BVdP die verschiedenen Problemfelder in der Schadenbranche, die mittlerweile in eine handfeste Krise geführt haben. Viele dieser vom Verband benannten Punkte wurden nun auch beim Schadentalk diskutiert. Was ist Deines Erachtens davon bei den Partnern im Schadenmanagement angekommen?

Peter Vogel:
Ich gehe davon aus, dass wir bei den relevanten Marktplayern sehr wohl Einiges erreicht haben. Da ist zum einen, dass man den Blick, betrachtet man die aktuellen Probleme in unserer Branche, nicht auf ein Thema verengen darf. Wir schlagen uns nicht nur mit zum Teil horrend steigend Energiekosten herum, auch Personal, Lackmaterial, Zubehör, Teile, Dienstleister etc. werden immer teurer. Hinzu kommen Lieferprobleme bei Teilen oder Ersatzfahrzeugen, was die Situation für viele Probleme zusehends verschlimmert. Und da habe ich noch gar nicht über unser vermutlich größtes Problem, den Fachkräftemangel, gesprochen. Wer Lösungen will, muss die Schieflage komplett betrachten.

Zum anderen stehen wir für das kooperative Schadenmanagement, das heißt, das Geschäft muss für alle Beteiligten auskömmlich sein. Von einer Win-Win-Win-Situation in der Schadensteuerung profitieren nicht nur Steuerer und Werkstätten, sondern auch deren gemeinsame Kunden.

Ich denke, dass diese Punkte bei den Schadensteuern angekommen sind und man dort erkannt hat, dass Bewegung in die Konditionen kommen muss, wenn die Schadensteuerung weiter erfolgreich funktionieren soll. Alles andere würde zu den vielzitierten „englischen Verhältnissen“ führen und enorme Kosten für Steuerer und Versicherer bedeuten. Ich kann mir nun wirklich nicht vorstellen, dass man das im deutschen Schadenmarkt will. Das ist auch der Eindruck, den ich von Automechanika und Schadentalk mitnehme. Im Übrigen gibt es durchaus Versicherer, die schon längst verstanden haben, dass kein Weg am kooperativen Schadenmanagement vorbeiführt.

NewsMonitor:
Welche Lösungsansätze siehst Du, um die Win-Win-Situation in der Schadensteuerung wieder auszubalancieren?

Peter Vogel:
Wir als BVdP setzen uns schon seit Längerem für flexible Zeitintervalle bei den Konditionsgesprächen ein. In Zeiten kurzfristiger Veränderungen der Rahmenbedingungen, unter denen Betriebe arbeiten müssen, sollte es unter Partnern auch möglich sein, Konditionen flexibel und kurzfristig anzupassen. Und, obwohl es höchste Eisenbahn ist, endlich zu handeln, lassen die Reaktionen einiger Steuerer viel zu lange auf sich warten.

Auf Seiten der Werkstätten sehe ich immer mehr die Notwendigkeit, die eigenen betriebswirtschaftlichen Zahlen zu kennen und sich damit auseinanderzusetzen. Nur auf dieser Basis lassen sich erfolgsversprechende, individuelle Konditionsgespräche führen.

NewsMonitor:
Peter, Deine Einschätzung, „wer gewinnt und wer verliert“?

Peter Vogel:
Die Auswirkungen der vergangenen drei krisenhaften Jahre, der Fachkräftemangel und die bislang nicht kalkulierbaren Folgen von Ukrainekrieg und Energiekrise lassen sich nicht von einem auf den anderen Tag abstellen. Es wird deshalb eine Konsolidierung in unserer Branche geben, diese Einschätzung habe nicht nur ich, das höre ich auch von unserem Partnerverband ZKF und das lese ich in der Fachpresse.

Zu den Gewinnern werden vor allem die Betriebe gehören, die sich aktiv als Unternehmen in ihrem Markt weiterbewegen, die sich dem Wandel bei der Mobilität stellen, die sich durchgehend sinnvoll digitalisieren, die sich energetisch unabhängiger machen und vor allem die, die bereit sind, sich kontinuierlich, nachhaltig und agil weiterzuentwickeln, auch wenn das nicht immer einfach ist. Dabei stehen wir als Verband unseren Mitgliedern mit Informationen, Lobbyarbeit und Best-Practice-Zirkeln zur Seite.

Wir sehen jetzt schon, so war es in einem schaden.news Hot-Spot zu lesen, dass im ersten Halbjahr 2022 die meisten Betriebe die Auswirkungen der Corona-Flaute scheinbar hinter sich gelassen haben, denn es ist sowohl eine Erholung bei der Auslastung sowie ein Umsatzplus bei vielen Werkstätten festzustellen. Dabei scheinen vor allem Partnerwerkstätten von dieser Entwicklung zu profitieren. Dabei gilt es aber, sich immer auch vor Augen zu halten, dass Umsatz nicht gleich Ertrag ist.

Das zeigt, dass die Schadensteuerung im Sinne des kooperativen Schadenmanagement durchaus weiter erfolgreich sein kann, wenn wir alles daransetzen, die Krise gemeinsam zu bewältigen. Dafür steht der BVdP.

Die Betriebe, die in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht haben und bereit sind, die Zukunft zu meistern und strategisch zu entscheiden, werden gestärkt aus der Krise gehen.“

Peter Vogel auf dem Schadentalk 2022

NewsMonitor:
Peter, vielen Dank für das Gespräch.

Wenn Sie diese Seite weiter verwenden, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Infos

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Schließen