Zum 1. November übernimmt Michael Schnapp den Staffelstab von Thomas Geck, der wie kaum ein anderer das Schadenmanagement im deutschen Reparaturmarkt geprägt hat. Im Exklusiv-Interview mit dem BVdP-NewsMonitor geben der aktuelle Leiter Schaden Prozessmanagement bei der HUK-COBURG und sein designierter Nachfolger nicht nur einen Rückblick auf die Entwicklung der Schadensteuerung in den vergangenen Jahren, sondern werfen vor allem mit uns auch einen Blick in die Zukunft.

BVdP-NewsMonitor:
Herr Geck, als einer der maßgeblichen Akteure in der Schadensteuerung seit Ende der 1990er Jahre, wie hat sich für Sie das Thema entwickelt und wo wird es in den nächsten Jahren hingehen?
Thomas Geck:
Ich bewerte es als recht erfreulich, dass sich das Schadenmanagement heute zu einem etablierten System entwickelt hat. Nach viel Skepsis und gegenseitigem Beäugen in den Anfangsjahren sind wir heute an einem Punkt angekommen, an dem wir das System partnerschaftlich weiterentwickeln und für alle Beteiligte Synergien heben können. Uns von der HUK-COBURG war dabei von Anfang an wichtig, als verlässlicher Partner mit den Werkstätten fair, offen und berechenbar umzugehen. Ich denke, das haben wir beispielsweise in Corona-Zeiten mit unseren unterstützenden Maßnahmen deutlich unter Beweis gestellt. Mir hat das gemeinsame Gestalten des Schadenmanagements und dabei der offene und ehrliche Umgang mit den Partnerbetrieben immer Spaß gemacht.
Aktuell sehe ich eine Menge an Einflussfaktoren, von denen die Zukunft der Schadensteuerung abhängt. Das beginnt bei der Steuerungshoheit, sprich, gelingt es uns als Steuerer, zukünftig den Erstkontakt zu behalten, damit wir den Schaden in die Partnerwerkstatt einsteuern können, oder verlieren wir den Wettlauf um die Daten im Fahrzeug?
Das zweite Thema wird sein, wie wir es gemeinsam schaffen, die Prozesse im Zusammenspiel mit den Werkstätten für die aktuellen, aber auch die kommenden Themen wie Nachhaltigkeit so zu gestalten, dass eine Win-Win-Situation erhalten bleibt und die Partnerbetriebe von der Zusammenarbeit profitieren. Wir waren schon immer ganz nah an den Prozessen der Werkstätten dran und es ist unsere Herausforderung, aktuelle wie kommende Entwicklungen im Schadenmanagement immer wieder effektiv in der Kooperation abzubilden. Brauchen wir beispielsweise übermorgen noch die Erstkalkulation oder schaffen wir in Verbindung mit digitalen Systemen nicht die Möglichkeit, lediglich mit einem einzigen Beleg seitens der Werkstatt auszukommen?
BVdP-NewsMonitor:
Herr Schnapp, dürfen wir Sie um eine kurze Vorstellung Ihrer Person bitten?
Michael Schnapp:
Ich bin gebürtiger Franke aus Bamberg, 54 Jahre alt und gelernter Bankkaufmann. Für die HUK-COBURG bin ich seit 1993 in verschiedenen Positionen tätig. Vor meiner aktuellen Tätigkeit war ich Geschäftsführer der HUK-COBURG Assistance GmbH in Frankfurt, hier erfolgte für den HUK-Konzern die Bearbeitung von Anliegen aus dem Kfz-Schutzbrief und dem Haus- und Wohnungsschutzbrief. Aber auch die Aufnahme von Schäden aus dem Ausland sowie in Randzeiten und an den Wochenenden gehörte zu unserem Geschäftsbetrieb. Während dieser Tätigkeit gab es schon einige Schnittstellen zu Thomas Geck. Zum 1. Juli 2022 bin ich dann zu Thomas in die Abteilung Schaden Prozessmanagement gewechselt und begleite ihn seitdem in der Leitungsposition. Die Staffelübergabe von demjenigen, der das System maßgeblich mit aufgebaut hat, zu mir verläuft also sehr geplant und weitsichtig in einem branchenunüblichen Zeitraum von beinahe eineinhalb Jahren. Mit dieser Vorgehensweise zeigt sich auch die Bedeutung des Partnernetzwerks, wo Langfristigkeit und Berechenbarkeit wesentliche Erfolgsfaktoren sind.
BVdP-NewsMonitor:
Was bedeutet der Wechsel zu Ihnen, was sind Ihre Ziele/Vorhaben im Schadenmanagement?
Michael Schnapp:
Ab 1.11. wird sicher nicht alles anders. Ich werde die Themen im Schadenmanagement kontinuierlich in der von Thomas Geck und dem HUK-Konzern gewohnten und bewährten Art und Weise weiterentwickeln. Dazu gehört vorrangig der partnerschaftliche Umgang mit den Partnerbetrieben auf Augenhöhe, denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, die Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Fachkräftemangel zu meistern. Keiner der Beteiligten wird hier tragfähige Lösungen ohne den anderen finden können. Wir müssen uns im Schadenmanagement weiter und noch stärker für die Win-Win-Situation einsetzen, wohlwissend, dass wir dabei nicht immer dieselben Standpunkte haben werden. Aber auch das gehört zur Philosophie der HUK-COBURG, dass wir immer versuchen werden, Themen und Herausforderungen partnerschaftlich zu lösen, wie wir es schon bei Corona getan haben.
BVdP-NewsMonitor:
BVdP und Kooperatives Schadenmanagement – Wie beurteilen Sie, Herr Schnapp, die Rolle des Verbands und seiner Vorstellung der Schadensteuerung?
Michael Schnapp:
Diese praktisch politische Komponente ist mir tatsächlich in meiner aktuellen Position das erste Mal begegnet. Angesichts der Weiterentwicklung des Systems Schadensteuerung, aber auch der Weiterentwicklung der Partnerbetriebe wundert es mich nicht, dass sich eine Interessenvertretung in Gestalt des BVdP organisiert hat. Die ersten Gespräche und Diskussionen, die ich bislang erlebt habe, waren offen, auf Augenhöhe und klar. Es war immer zu spüren, dass die Gesprächspartner genau wissen, was Sache ist.
BVdP-NewsMonitor:
Werden Zusammenschlüsse von freien Werkstätten wie m.o.r.e an Bedeutung gewinnen.
Thomas Geck:
Systeme wie „Die Partnerwerkstatt“ der HUK-COBURG können wertvolle Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Werkstätten in Richtung Endkundenattraktivität und Marke, die Professionalität und Qualität signalisiert, bieten.
BVdP-NewsMonitor:
Akut macht der Fachkräftemangel den Partnerbetrieben ungemein zu schaffen. Was kann die HUK-COBURG tun, welche Möglichkeiten der Unterstützung sehen Sie?
Michael Schnapp:
Ich sehe unsere Rolle und Möglichkeiten zuallererst dabei, die Prozesse für die Partnerbetriebe weiter zu optimieren und damit den administrativen Aufwand zu verringern. Das schafft wieder Spielräume, die vorhandenen Personalkapazitäten in den Werkstätten für das eigentliche Thema zu nutzen.
BVdP-NewsMonitor:
Da spielt natürlich die Digitalisierung eine auschlaggebende Rolle. Die HUK-COBURG hat da in den vergangenen Jahren viel Bewegung im Markt angestoßen. Was hat’s gebracht?
Thomas Geck:
Auch wenn es anfangs viele Missverständnisse zur Online-Terminbuchung gab, haben wir mit dem Projekt einiges erreicht. Wir können über die Statusinformationen perspektivisch Teile der Prozesse verbessern. Außerdem erwarten unsere Kunden im Jahr 2023 einfach die Möglichkeit einer digitalen Terminbuchung. Wir setzen das bereits mit großem Erfolg bei Hagelschäden ein, das klappt wunderbar. Ein runder Prozess mit Digitaler Schadenmeldung und dem nächsten Schritt Online-Terminbuchung für die Erstbegutachtung hat große Vorteile für den Versicherungsnehmer, für die Werkstatt und für uns. Mit mehr sachlicher Diskussion könnten wir bei diesem Thema weiter sein.
BVdP-NewsMonitor:
Welche weitere Unterstützung können Ihre Partnerbetriebe angesichts der aktuellen Herausforderungen erwarten?
Michael Schnapp:
Wir schauen uns unter der Überschrift „Werkstattnetz der Zukunft“ gerade genau an, welche Anforderungen durch E-Mobilität, durch Technik im Auto, durch Nachhaltigkeit oder Teilebestellung auf die Partnerbetriebe zukommen. Welche Kompetenzen, welche Qualifikationen sind gefragt? Hier prüfen wir genau, wie wir die Partnerbetriebe zukünftig supporten können und in der Zusammenarbeit effektivere Prozesse etablieren können. Hier werden wir immer auch Wege neben finanziellen Anreizen suchen, so werden wir auch beim „Lackmaterial inklusive bleiben“, auch wenn das der BVdP nicht gerne hört.
BVdP-NewsMonitor:
Haben Sie als HUK-COBURG Probleme durch die aktuelle enorme Auslastung der Betriebe?
Thoms Geck:
Unsere Partnerbetriebe sind natürlich höher ausgelastet als in den vergangenen Jahren. Wir bringen unsere Volumina allerdings bei den Betrieben unter. Probleme verursachen meist die Ersatzteilversorgung und damit Fahrzeuge, die deshalb nicht repariert werden können und die Höfe blockieren.
BVdP-NewsMonitor:
Herr Schnapp, Herr Geck, Ihre abschließenden Worte.
Michael Schnapp:
Ich freue mich auf den Job, ich freue mich, die erfolgreiche Arbeit von Thomas fortführen zu können, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben und dem BVdP. Und Thomas ist ja nicht aus der Welt, wenn ich einmal eine Frage an ihn habe.
Thomas Geck:
Dieser Job hat mir großen Spaß gemacht und ich bin dankbar, dass ich ihn machen durfte. Wir haben mit Michael einen kompetenten Abteilungsleiter ausgewählt und ich wünsche ihm ein glückliches Händchen und eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Partnerwerkstätten.
BVdP-NewsMonitor:
Vielen Dank für das Gespräch.


