Kostenspirale dreht sich für die Partnerbetriebe kräftig weiter

Kostenspirale dreht sich für die Partnerbetriebe kräftig weiter

Kostenspirale dreht sich für die Partnerbetriebe kräftig weiter

Stellungnahme des BVdP e.V. zur aktuellen Kostensituation der Betriebe in der Schadensteuerung

Der BVdP hat angesichts der mehr als angespannten Kostensituation in den Partnerbetrieben bereits seit dem Frühjahr mehrfach sehr deutlich auf den erhöhten Handlungsbedarf im Schadenmanagement hingewiesen und dabei die verschiedenen Handlungsfelder klar formuliert.

Die ersten Schritte von FLIs haben gezeigt, dass die Botschaften verstanden und in Handeln umgesetzt wurden. Das ist richtig und gut, muss aber jetzt mit der nötigen Flexibilität konsequent weiterverfolgt werden. Hierbei ist es erforderlich, nicht nur Teilbereiche der Problemlage isoliert zu betrachten, sondern die Situation vollumfänglich zu analysieren und nachhaltige Lösungen zu erarbeiten.

Es sind nicht nur die explodierenden Energiekosten, sondern eine Vielzahl weiterer Faktoren, die sich bei den Schadensteuerungsbetrieben auf der Kostenseite niederschlagen, die ein wirtschaftlich rentables Arbeiten zusehends in Frage stellen und die dabei die Liquidität zunehmend aufzehren.

Wie sieht die Realität in den Betrieben aus?

Lohnkosten – Durch eskalierende Energiekosten und die hohe Inflationsrate steigen auch die monatlichen Personalkosten. Denn die Mitarbeiter fordern berechtigt mehr Geld. Komme ich als Arbeitgeber dieser Forderung nicht nach, laufe ich Gefahr, meine Fachkräfte unersetzbar zu verlieren. Eine angesichts des Fachkräftemangels fatale Situation.

Qualifizierung von Mitarbeitern – Die Entwicklung von Fahrzeug- und Reparaturtechnik verlangt zusehends mehr und bessere Qualifizierung, die entsprechend Geld kostet und für Fehlzeiten in den Betrieben sorgt. Und: qualifiziertere Fachkräfte wollen natürlich auch mehr Geld verdienen, was letztendlich aber wieder unsere Branche als Arbeitgeber attraktiver macht!

Ersatzteillieferungen – In vielen Betrieben stehen beschädigte Fahrzeuge, deren Reparatur wegen fehlender Ersatzteile nicht zum Abschluss gebracht werden kann, während bereits gelieferte Teile die Lager füllen. Der Ersatzteillieferant aber will sein Geld sofort haben und nicht erst, wenn die Reparatur fertiggestellt und die Rechnung geschrieben ist. Das sorgt wiederum für Liquiditätsengpässe und einen erhöhten Bedarf an Ersatzfahrzeugen. Die durchschnittliche Reparaturdauer hat sich aktuell signifikant erhöht und verursacht höhere Kosten. 

Mobilitätskosten – Auch die Kosten für die Mobilität der Kunden gehen nach oben. Neue Ersatzfahrzeuge haben lange Lieferzeiten und sind erheblich teurer geworden. Die durchschnittliche Reparaturdauer hat sich deutlich erhöht. Neue Aufträge können zum Teil nicht angenommen werden, weil Fahrzeuge nicht zur Verfügung stehen. Auch das schlägt sich auf der Kostenseite in den Unternehmen wieder.

Lackmaterial und Lackierzubehör – Die Kosten für Lackmaterial und alle nötigen Verbrauchsmittel steigen auch unterjährig in unermüdlicher Regelmäßigkeit. Die wertmäßige Zusammensetzung der Mischbank erreicht durch teure Farbtöne, die vorgehalten werden müssen, immer neue Spitzenwerte. Noch dazu muss pro Auftrag immer mehr Lackmaterial inklusive Lackmaterialzubehör eingesetzt werden.  Das Modell „Lackmaterial inklusive“ passt nicht mehr in die Zeit.  Hier handelt es sich um ein Relikt aus der Vergangenheit, das für die Schadensteuerungsbetriebe nur noch ein Draufzahlgeschäft darstellt.

Dienstleistungen und Lieferkosten – Auch bei eigekauften Dienstleistungen wie Elektriker, Maler, Reinigungskräfte etc. steigen die Preise, oft flankiert von höheren Lieferkosten, einer erhöhten Anfahrtspauschale oder einem Energiekostenzuschlag. Das sind Posten, die in ihrer Gesamtheit auch spürbar zu Buche schlagen.

Digitalisierungskosten – Gerade in diesem Bereich sind weiterhin regelmäßige Investitionen in Hard- und Software, Schulungen und Anpassung der internen Prozesse nötig. Technische wie auch gesellschaftliche Weiterentwicklungen verlangen eine stetige Weiterentwicklung der Betriebe.

Betriebsausstattung für die Zukunft – E-Mobilität, Herstellerdiagnose, Kalibrierung, Programmierung, EDV-Portale etc. erfordern stetige, in der Tendenz steigende Investitionen.

Dekarbonisierung in Richtung Klimafreundlichkeit – Der Weg in Richtung Klimaneutralität kostet nicht wenig Geld. Photovoltaik, Blockheizkraftwerke, Dämmung u. v. m. gibt es nicht zum Nulltarif. Hohe Investitionen sind erforderlich und finden sich auf der Kostenseite der Betriebe wieder. Und auch hier stellt sich die Frage, die an und für sich bei allen Kostentreibern gilt: Wie finanzieren, wenn die eigenen Mittel nicht vorhanden und die Liquidität beispielsweise durch vorfinanzierte Ersatzteile eingeschränkt ist?

Corona – Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Personalausfälle sorgen seit Monaten für Engpässe in den Werkstätten. Mitarbeiter stehen in diesem Jahr bereits im Sommer nicht zur Verfügung und können Aufträge nicht bearbeiten. Weniger verkaufte Stunden aber bedeuten steigende Arbeitskosten.

All diese Faktoren, die die Schadensteuerungsbetriebe zunehmend existenziell gefährden, dürfen nicht mehr isoliert voneinander betrachtet werden, sondern müssen zwingend vollumfänglich analysiert und gelöst werden. Wenn hier weiterhin nur auf Teilbereiche reagiert wird, dann wird das nicht nur für die Schadensteuerung schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Dabei gibt es durchaus Handlungsfelder, in denen ein konstruktiver Anfang gemacht werden kann. Wenn wir uns vom Modell „Lackmaterial inklusive“ verabschieden und das Zeitintervall für die Kooperationsgespräche, aus denen Lösungen kommen müssen, bei Bedarf flexibel verkürzen, dann ist in einem ersten Schritt schon viel geholfen.

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